Über uns

Wildwasser Marburg e.V. Projekte

2013 Initiative "Taxi? – aber sicher!"

Es gibt Tageszeiten, Orte und Gelegenheiten, bei denen gerne Taxis oder Mietwagen genutzt werden, um sicher und angenehm ans Ziel zu gelangen. Leider kann es auch in Taxis und Mietwagen zu unangenehmen Belästigungen und Übergriffen kommen.
Mädchen und Frauen haben das gleiche Recht auf eine sichere und angenehme Fahrt wie alle anderen Fahrgäste auch – ebenso wie die Fahrerinnen und Fahrer der Taxis und Mietwagen.
Deshalb hat der Arbeitskreis "Prävention für Frauen und Kinder" des Runden Tisches "Keine Gewalt gegen Frauen und Kinder im Landkreis Marburg-Biedenkopf" in Kooperation mit lokalen Taxi- und Mietwagenunternehmen und dem Marburger Ordnungsamt die Initiative "Taxi? – aber sicher!" ins Leben gerufen.
Unterstützt vom Frauenbüro sowie dem Fachbereich Ordnung und Verkehr des Landkreises Marburg-Biedenkopf und dem Kreispräventionsrat erfolgte eine Ausweitung auf den Landkreis.

Weitere Informationen finden Sie in dem von der Initiative herausgegebenen Flyer:
"Taxi? – aber sicher!"

Fachtag 2011 "Sexuelle Übergriffe unter Kindern – Prävention und Intervention"

Titelbild des Faltblatts für den Fachtag 2011

Wildwasser Marburg e.V. hat am 15.03.2011 einen Fachtag zum Thema "Sexuelle Übergriffe unter Kindern – Prävention und Intervention" in Kooperation mit dem Fachbereich Familie, Jugend und Soziales, Fachdienst Allgemeiner Sozialer Dienst und Kindertagesstätten/ Heime des Landkreises Marburg-Biedenkopf veranstaltet. Als externe Referentinnen für konnten wir Maria van Os und Dagmar Riedel-Breidenstein von Strohhalm e. V. Berlin gewinnen.
Die Veranstaltung richtete sich an Erzieher_innen, Pädagog_innen, Grundschullehrer_innen und Sozialarbeiter_innen und war mit 125 Personen sehr gut besucht.

In zwei Vorträgen und 3 vertiefenden Workshops am Nachmittag wurde das Thema aufgegriffen.

Grenzverletzendes Verhalten durch sexualisierte Übergriffe ist unter Kindern immer wieder zu beobachten und wird in der pädagogischen Praxis zunehmend thematisiert. Der Fachtag diente dazu, häufig bestehende Unsicherheiten im Erkennen von sexualisierten Übergriffen im Unterschied zu kindlichen sexuellen Aktivitäten auszuräumen.

Darüber hinaus wurden angemessene fachlich-pädagogische Interventionsformen vorgestellt, die den Schutz der betroffenen Kinder herstellen und sie in der Verarbeitung des Geschehenen unterstützt als auch nachhaltig wirksame Formen der Einflussnahme auf die übergriffigen Kinder aufweisen.

Es wurden Anregungen vermittelt, wie Konzepte und Strukturen in der Einrichtung dahingehend entwickelt werden können, dass mit sexualisierten Übergriffen konsequent und nachhaltig umgegangen wird bzw. diese vorbeugend verhindert werden können.

Die Workshops boten die Möglichkeit anhand von exemplarischen Fällen die eigene Praxis zu reflektieren. Die wichtigsten Aspekte für eine gelungene Kommunikation mit den beteiligten Kindern und deren Eltern wurden erarbeitet und erprobt.

Projekt 2009-2010
"Prävention von sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung und eingeschränkter Sprachfähigkeit" - Ausgezeichnet mit dem Stiftungspreis Hänsel und Gretel

Wildwasser Marburg e.V. hat den Stiftungspreis Hänsel und Gretel für das Projekt "Prävention von sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung und eingeschränkter Sprachfähigkeit" gewonnen. Die Praxisphase des Projekts wurde im Herbst 2009 bis Frühjahr 2010 an der Kegelbergschule in Frankenberg durchgeführt.

Hintergrund

Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung haben ein um ein vielfaches erhöhtes Risiko sexualisierte Gewalt zu erleben. Die Gründe sind in gesellschaftlichen, strukturellen, institutionellen und individuellen Bedingungen zu finden, die die Ausübung sexualisierter Gewalt begünstigen.

Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung werden häufiger aufgrund ihrer kognitiven Unterlegenheit und ihres niedrigen gesellschaftlichen Status als Objekt betrachtetet und behandelt. durch die vorhandene räumliche und soziale Isolierung und eine Erziehung zu Anpassung, Unauffälligkeit und Geschlechtslosigkeit verfügen sie über deutlich eingeschränkte Ressourcen selbstbestimmt ihre Grenzen zu wahren und sich Hilfe zu holen. Auch Kommunikationsbarrieren, die mangelnde Erfahrung von Selbstwirksamkeit und die Abhängigkeit von lebensnotwendiger Fürsorge stellen diesbezüglich wichtige Faktoren dar.

Darüber hinaus tragen Strukturen innerhalb von Betreuungseinrichtungen in Form von hoher Personalfluktuation bzw. -mangel, der Alltäglichkeit von Fremdbestimmung in der Pflege, fehlenden Leitlinien zum Umgang mit Fehlverhalten der Fachkräfte und fehlenden Präventionsangebote dazu bei, dass Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung nur unzureichend Unterstützung und Schutz erfahren.

Eine umfassende Prävention von sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung beinhaltet demzufolge neben Aufklärung und Stärkung auch strukturelle Maßnahmen, die die Position von Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung verbessern und die sie begleitenden Erwachsenen und Institutionen in ihre Verantwortung nehmen.

Von der Sprachlosigkeit zur Kommunikationsmöglichkeit

Eine Kernfrage zum Schutz von Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung ist die Kommunikation.
Die erreichbare Sprachkompetenz von Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung kann sehr vielfältig sein. Sie reicht vom rein basalen Ausdrucksverhalten und der Fähigkeit der präverbalen Kommunikation über das Sprechen von Einwortsätzen bis hin zum annähernd "normalen" Sprachgebrauch.

In einer sich überwiegend durch Lautsprache verständigenden Gesellschaft finden das Wahrnehmen und Fördern nonverbaler Kommunikationsformen (z.B. Mimik, Gestik, Tonhöhe, Körperkontakt etc.) und die Unterstützung eines ganzheitlichen Kontaktes zwischen Kind und Bezugsperson durch geeignete Kommunikationsmittel dementsprechend häufig nur geringe Beachtung.

durch das Einsetzen von Bildmaterialien sowie anderen kommunikations-unterstützenden Mitteln (z.B. Gebärden), kann sowohl die Wahrnehmung der Bezugspersonen von der Kommunikationsfähigkeit der Kindern mit geistiger Behinderung erweitert werden als auch das Spektrum der Ausdrucks- und Verständnismöglichkeiten der Kinder.

Projektziele

Aus den genannten Bedingungen heraus ist das Ziel des Projekts, Methoden und Materialien für die Präventionsarbeit mit Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung und eingeschränkter Sprachfähigkeit zu erarbeiten, die eine nonverbale Kommunikation berücksichtigen, stärken und fördern und damit die Verständnismöglichkeiten und Ressourcen der Kinder erweitern.

In der Workshop-Phase wurden die Materialien mit einer Kindergruppe und einer Gruppe junger Frauen erprobt und die Ergebnisse evaluiert.

Parallel dazu wurde das Fachpersonal der Schule sowohl theoretisch zu dem Themenbereich "Prävention und Intervention von sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung" als auch praktisch als Multiplikator_innen in der durchführung und Integration der Workshop-Inhalte und Materialien im Schulalltag weitergebildet.

Darüber hinaus wurden die Eltern für eine präventive Erziehungshaltung im Alltag im Kontakt mit ihren Kindern sensibilisiert.

In der Jury-Begründung heißt es: "Mit dem Projekt leisten Sie einen anerkennenswerten präventiven Einsatz in einem äußerst sensiblen Umfeld von potentiellen kindlichen Opfern. Mit dem Projektziel, der Implementierung von Leitlinien in institutionellen Strukturen für den Umgang mit sexualisierter Gewalt, zeigt Ihre Organisation ein bemerkenswertes Gespür für ein hoch aktuelles Thema, das in allen Bereichen der Jugendhilfe an Bedeutung zunimmt."

Weitere Informationen zur Stiftung "Hänsel und Gretel": www.haensel-gretel.de

Bundesweiter Kongress 2008
"Dissoziation und Geschlecht - eine Überlebensstrategie nach sexuellen Gewalterfahrungen im Geschlechterkontext"

Logo für den Kongress Dissoziation und Geschlecht: Drei rote Silhouetten von Köpfen auf gelbem Hintergrund plus Schriftzug

Einer unserer Schwerpunkte im Jahr 2008 war der bundesweite Kongress zum Thema Dissoziation und Geschlecht am 14. und 15.11.2008.
Mit 40 Referent_innen aus ganz Deutschland und insgesamt über 170 Teilnehmer_innen war der Kongress ein großer Erfolg.

Das Anliegen des Kongresses war, unsere jahrelangen Erfahrungen aus der Praxis bundesweit mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Berufsfeldern gemeinsam zu diskutieren und Theorien dazu inFrage zu stellen.

Erfahrungen und Themen, die für die Öffentlichkeit oft schwer zu vermitteln sind: die Erfahrungen massiver Gewalt, die Überlebensstrategie der Dissoziation und der Dissoziativen Identitätsstruktur in ihrer geschlechtsspezifischen Ausprägung.

Fragen darin waren:

  • Sind Mädchen / Frauen mehr von massiven Dissoziationen betroffen als Jungen / Männer?
  • Dissoziieren Mädchen mehr oder erleben mehr das Ausmaß an Gewalt, das zu starker Dissoziation führt?
  • Wie sind multiple Menschen selbst organisiert bzgl. der Geschlechterrollen? Wie sind hier "Rollen verteilt"? Innere Täter, Beschützer, innere Mädchen?
  • Welche Unterschiede, welche Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern gibt es in Hinblick auf Dissoziation als eine Überlebensstrategie von sexualiserter Gewalt?
  • Wie ist das Verhältnis unterschiedlicher InnenGeschlechtern zum AußenGeschlecht einer Betroffenen / eines Betroffenen einerseits– und Transidentität andererseits?
  • Welche Rolle spielt unserer Geschlechtsidentität als Professionelle im Kontakt mit den Betroffenen?
  • Welche gesellschaftliche Bilder von Geschlecht gibt es und welche Bedeutung haben sie für das geschlechtsspezifische Erleben von und Umgang mit Traumata?
  • Sind Körpererleben und Dissoziation geschlechtsspezifisch?
  • Gibt es eine geschlechtsspezifische Spiritualität?
  • Sekundärtraumatisierung oder Indirekte Traumatisierung in der Arbeit mit stark dissoziierenden Klient_innen – wie reagieren professionell Helfende – dissoziierend, geschlechtsspezifisch?
  • Wem und wozu dienen Geschlechterstereotype innerpsychisch – bei Klient_innen wie bei Professionellen – wie gesellschaftlich?
  • Wie ist es mit der strikten Unterscheidung und Trennung von Opfern und Täter_innen? Sind Opfer immer nur Opfer, Täter_innen immer nur Täter_innen?
  • Ist es traumatisierend, Täter_in zu sein?
  • Auf welche Fragen suchen wir welche Antworten, was brauchen wir, um verantwortungsvoll, mit Engagement und Freude Betroffene zu begleiten und zu unterstützen?

Es gelang allen Beteiligten, in einer wunderbaren, respektvollen Atmosphäre, auch heikle Aspekte und polarisierende Widersprüche zu diskutieren und gemeinsam auszuhalten.

Der Kongress war sowohl ein Ort der kollegialen Begegnung und des Austauschs, ein Kulminationspunkt des aktuellen Standes in Theorie und Praxis zu dem komplexen Spannungsfeld von "Dissoziation und Geschlecht" als auch Impulsgeber für ein gemeinsames öffentliches Statement an Politik, Gesundheitswesen und Justiz zur besseren Unterstützung der von massiver – sexualiserter – Gewalt betroffenen Opfer.

Fachdokumentation"Bube, Dame König – DIS. Dissoziation als Überlebensstrategie im Geschlechterkontext"

Der Kongress ist auch Ausgangspunkt für eine Fachdokumentation "Bube, Dame König – DIS. Dissoziation als Überlebensstrategie im Geschlechterkontext", welche 2009 erschienen ist.
Weitere Informationen zu der Fachdokumentation sowie alle Einzelheiten zur Bestellung finden Sie unter der Rubrik Veröffentlichungen.